Substanz mit Streifen

In seiner Modekolumne "Einteiler" bespricht unser Kunst-, Design- und Moderedakteur Gabriel Roland unter dem Motto "die österreichische Modeszene Stück für Stück" jeweils ein Textil aus einer Kollektion. Heute: Ein Gewand von Ferrari Zöchling, das Kunst und Mode ganz selbstverständlich und unaufdringlich vereinbart.

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Das Verhältnis von Oberfläche, Material und Schnitt ist eines der zentralen Ausdrucksfelder der Mode. Der Kolumnist ist geneigt, es eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale von Kleidungsstücken zu nennen. Gleichzeitig wird wird es allzu oft missachtet, man denke nur an die zahllosen Leiberl, deren austauschbarer Schnitt nicht einmal ansatzweise versucht, mit dem vor beliebigen Aufdrucken und Applikationen strotzenden Material zu korrespondieren.

Aber eigentlich ist es eine Schande, solche Negativbeispiele zu erwähnen, wenn es um ein Kleidungsstück gehen soll, das Oberfläche, Material und Schnitt so intuitiv, mühelos und effektvoll verbindet. Man muss nicht wissen, dass diese Jacke aus Seide ist, woher die körnigen Streifen kommen, oder wie sie aufgedruckt wurden. Nein, man bemerkt einfach, dass im fließenden Fall des Revers und der Ärmel Konstruktion, Material und Muster eins sind. Darüber muss man sich keine Gedanken machen, das nimmt man einfach wahr.

Speziallabel für Bomberjacken

Und Markenlogo braucht’s in Wirklichkeit auch keines. Es kann sich hier schließlich nur um ein Stück des Wiener Speziallabels für Bomberjacken (nicht nur!) und Kollaborationen mit der Künstlerin Ferrari Zöchling handeln. Diesmal wurde mit dem Fotografie-Talent de jour Lisa Edi kooperiert, die in ihrem Kleinststudio fotografische Studien erarbeitete. Diese Arbeiten dienten als Grundlage für die Digitaldrucke, auf denen die ab Herbst erhältliche Kollektion von Ferrari Zöchling basiert.

Wenn Romana Zöchling, die Designerin hinter Ferrari Zöchling, über ihre Arbeitsweise berichtet, wirkt es, als ob ihre Stücke komplett spontan und mühelos entstünden. Statt am Papier zu entwerfen, gibt sie ihren Kleidern direkt am Zuschnitttisch und beim Drapieren ihre Form, sobald sie die extra angefertigten Stoffe in der Hand hat. Dass so Kleidungsstücke entstehen, die ein intuitives Ganzes aus Oberfläche, Material und Konstruktion sind, ist nicht verwunderlich.

Die Mode von Ferrari Zöchling kann man unter www.ferrarizoechling.com und vor allem in der Kirchengasse 27 begutachten. Mehr über Lisa Edi findet sich auf www.lisaedi.com.

Gabriel Roland hat Textildesign in England und Österreich sowie Archäologie in Wien studiert und twittert hier.

Bild(er) © Kleidungsstück: Erli Grünzweil, Gabriel Roland: Privat
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