Trennungen müssen draußen bleiben

Wer in einem Lokal sitzt, erwartet sich zum Bier meist gezieltes Alleinsein oder Socialising zu mehrt – weniger: spontane Seelsorge-Anfragen vom Nebentisch. Was man in Lokalen sonst noch nicht unbedingt machen muss, haben wir hier aufgelistet.

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Schluss machen

Irgendwann hat sich in Filmplots die irrige Annahme durchgesetzt, dass ein Ort mit vielen Menschen für eine Trennung besonders gut geeignet wäre – angeblich, um der Gefahr einer Szene zu entgehen. Reality-Check: Selbst wenn der/die Verlassene keine macht, ungut wird’s trotzdem. Für die Umgebung. Wer weiß schon, wo man hinschauen soll, wenn am Nebentisch Klassiker wie "Lass uns Freunde bleiben" fallen. Höchstens Leute, die in einer Trennungsagentur arbeiten – für alle anderen allerdings ist der Abend gelaufen. Besonders schlimm sind übrigens jene Lokale, die einen auf Wohnzimmer machen. In dieser Lounge-Atmosphäre kann es passieren, dass einen nichts als eine kleine Weinkiste (auch:"Tisch") vom Drama am Sofa gegenüber trennt. Mitten im Breakup-Geschehen sitzen ist ja schon blöd genug – dazu kommt aber auch dieses komische Gefühl. Durch die körperliche Nähe fühlt man sich wie ein C-Gast einer Neunziger-Jahre-Talkshow, der eigentlich auch etwas zur "Diskussion" beitragen sollte. Irgendwie so: "Aber wieso muss es zwischen euch aus sein? Wollt ihr’s nicht doch nochmal probieren?"

Kommunikationsmarathon per Telefon abhalten

Ganz unverständlich ist es ja nicht – die Karriere hat einen weit weg von Gspusi und Mama geführt oder vielleicht will man sich später noch woanders treffen – trotzdem: Schrei-Telefonate, ausgedehnte Skype-Sessions oder ein Whatsapp-Marathon (mit Signalton bei jeder Nachricht!) gehören überraschenderweise eher nicht zum Feierabend-Plan der anderen.

Am WC campen

Natürlich dauert nicht alles unbedingt kürzer, wenn man getrunken hat. Als Grund für zu langes Abhängen auf den ohnehin spärlichen Toiletten gilt das allerdings trotzdem nicht. Schuld für dieses illegitime Verhalten ist vermutlich wieder einmal das Smartphone. Scheint es doch sozial akzeptiert, es überall und zu jeder Zeit – also auch am Klo – zu nutzen. "Sollen’s die da draußen ruhig noch bisschen aushalten, während ich hinter der Kabinentür endlich mal kurz für mich bin, um einen Tweet über den Sinn des Lebens zu formulieren." Nein.

Starren

Amen zu "Drinks statt Devices" – Kommunikation nonverbal zu führen, will aber auch gelernt sein. Eher "unangebracht" ist es zum Beispiel, nicht darüber hinwegzukommen, dass in einem Lokal nun mal viele verschiedene Menschen sitzen, die sich nicht kennen. Sicher kann man schauen, wer da aller sauft – ein gelungener Blickkontakt sollte, laut einhelliger Expertenmeinung, jedoch höchstens drei Sekunden dauern.

Körperfunktionen überstrapazieren

Auch wenn man sich vielleicht "wie zu Hause" fühlen soll, tatsächlich zu Hause ist man eben nicht. Daher wäre es von Vorteil (für die anderen), wenn man im Lokal das Restless-Leg daheim ließe. Auch ein ausgeprägter Schnupfen muss nicht zwischen fremden Mahlzeiten zelebriert werden. Pro-Tipp: Schneuzkonzerte gehören eher zu den Privatveranstaltungen der Körperfunktionen. Und apropos, Konzerte: Wer seinen aktuellen Radio-Energy-Ohrwurm nicht für sich behalten kann und glaubt, die Mahlzeiten der anderen damit gesangstechnisch untermalen zu müssen, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Den Kellner schlecht behandeln

Das Gastgewerbe ist ohnehin ein hartes Pflaster. Dann noch wenig Trinkgeld kriegen und trotzdem ein offenes Ohr für ausufernde Lebensgeschichten haben müssen, ist unfair. Wer kellneriert, muss nicht nur gegen die Zeit arbeiten, sondern sich vor allem auch mit depperten Gästen rumschlagen. Fazit: Unbezahlte Seelsorge gibt es vielleicht anderswo — den Kellner mit der eigenen Midlife-Crisis von den nächsten Drinks abhalten, geht allerdings gar nicht.

Du hast weitere Anekdoten zum Thema "Wie man sich in Lokalen nicht aufführt"? Gerne in eine Mail damit: obermueller@thegap.at

Bild(er) © Copyright Foto: Mike Licht, NotionsCapital.com
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