„VdB-Wählerinnen hießen Rebekka, Franziska oder Alma“

Duscher & Gratzer spielen am kommenden Donnerstag mit neuen Songs im Rhiz auf. Im Interview haben sie uns erklärt, warum ihre besungene FPÖ-Wählerin Nadine heißt und weshalb anstelle von MusikerInnen auch mal Vertreter des Musikjournalismus in der Kritik stehen können.

Duscher und Gratzer

D&G wird nicht mehr lange für Dolce & Gabbana stehen. Wenn wir ab sofort alles daran setzen, dass dieses Akronym nur mehr in Zusammenhang mit dem sympathischen Duo Duscher & Gratzer verwendet wird, kann die Modemarke (zumindest abkürzungsmäßig) einpacken. Abseits ihrer Agenden bei FM4 machen Hannes Duscher und Roland Gratzer natürlich keine Mode, sondern leiwaunde Musik. Kürzlich ist ihre EP „Wie soll des weitergehen“ erschienen – ein Album wird folgen. Wir wollten von ihnen daher Antworten zur eigenen Vornamen-Songpolitik und ihrer Einstellung zum Genre „Pseudomusik“ haben. Und die aktuellsten Chartbreaker ließen sie uns auch noch wissen.

Man verrät mittlerweile wohl nicht zuviel, wenn man spoilert, dass es in eurem „Jolene“-Cover „Nadine“ um eine FPÖ-Wählerin geht. Als Namensbetroffene muss die Frage erlaubt sein – warum Nadine?

Duscher & Gratzer: Es reimt sich super auf Jolene und es geht sich schon gut aus im Country-Kontext. Also, Nadine jetzt.

Mit welchem Vornamen würdet ihr eine VdB-Wählerin besingen? Wäre das Lied dann auch eine Geschichte über eine Liebe, die aufgrund unüberbrückbarer Differenzen nicht hinhaut? Welcher Plot würde euch vorschweben?

Rebekka, Franziska oder Alma. Wir schaffen es generell nicht, glückliche Liebeslieder zu schreiben und könnten im konkreten Fall nicht akzeptieren, dass sie Nichtraucherin ist und E-Bike fährt. Entweder normales Fahrrad oder gleich Moped.

 

D & Gs Sommerhit hieß "Nadine" © Christian Stipkovits
D & Gs Sommerhit hieß „Nadine“ © Christian Stipkovits

Eure 3 neuen und ungecoverten Songs kann man am Donnerstag im Rhiz live hören. Inwiefern ist die Songzeile „Die an wissen ned, wos die audern tuan“ als politisches Statement zur Lage der gespaltenen Nation Österreichs zu werten? Welche sonstigen Interpretationswünsche für eure Songs (abseits der Politik ) hättet ihr?

Alles ist politisch. Uns geht es in erster Linie ums reflektierte Mitsingen, aber das ist ja auch politisch. Aber einen Interpretationswunsch hätten wir dennoch: Dass im Cafe U1 jemand sagt: „Gute Nummer, wos is des?“ Und wir haben eh mehr als 3 Songs. Sicher 10 oder so.

Duscher & Gratzer im Café U1© Christian Stipkovits
Duscher & Gratzer im Café U1© Christian Stipkovits

„Die Pseudo-Comedians versuchen sich jetzt als Pseudo-Musiker. Nie war das Pseudo treffsicherer“ schreibt ihr in amüsanter Prophezeiung eines möglichen Medienechos über euch selbst. Pseudomusiker ist ein mehr als ehrenwertes Label, das es zu verteidigen gilt – wem macht ihr dahingehend international wie national Konkurrenz?

Ja, Panik bei dieser Frage. Aber wir sehen das wie Boris Becker: Warum immer über die SportlerInnen, also MusikerInnen reden, reden wir mal über die Berichterstattung mancher „Musikjournalisten“ (bewusst nicht gegendert) z.B. von Falter und Standard! So erwartbar, selbstgerecht und fad sind nicht mal wir.

Duscher und Gratzer, Schwarz-Weiß © Christian Stipkovits
Duscher und Gratzer, Schwarz-Weiß © Christian Stipkovits

Da ihr ja auch keine unbekannten Radiomoderatoren seid, muss man euch zum Schluss natürlich auch noch zu den derzeit besten Hits bemühen. Welche Songs bzw. Alben von österreichischen KünstlerInnen haben euch in letzter Zeit besonders überrascht?

Galaktika & Fidsch – „Süß wie dieser Hoferwein“

Thirsty Eyes – „838“

The Crispies  – „Noose N Go

Und sowieso immer: Yung Hurn, Kidcat Lo-fi, Nino, Voodoo, Resisters, Fijuka, Polkov, Klitclique und Aexattack.

 

Am Donnerstag, den 17.11.2016, spielen Duscher & Gratzer im Wiener Rhiz. Mehr Infos gibt es hier

Bild(er) © Chri_Strassegger
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