Hörhan: Zynischer Ausbeuter

Hinter Sachlichkeit und Arroganz versteckt sich bei Gerald Hörhans neuem Buch "Gegengift" nur leicht versteckt eine opportunistische Unternehmer-Skrupellosigkeit und ein reaktionärer Geist. Meint jemand der es wissen muss: Rainer Krispel.

Zugegeben, dem ersten Buch des erfolgreichen Wirtschaftstreibenden Gerald Hörhans mit dem sich dieser nicht unamüsant als „Investment Punk“ stilisierte bin ich aufgesessen. Ich schob unter anderem beiseite, dass zum einen sein „Punkertum“ ein noch nicht einmal Oberflächliches war (das Wackenfestival, dessen Besuch per gebrauchtem Sportwagen von Hörhan marketingträchtig ins mediale Treffen geführt wurde hat mit Punk reichlich wenig zu tun) respektive diesem ein grundsätzliches Missverständnis von Punk innewohnte: Punx sind in der Regel keine egozentrischen Arschlöcher, die ihrem eigenen Fortkommen und Wohlergehen alles andere opfern (= Kapitalisten). Hörhan entspricht so gesehen Sid Vicious – und wie der endete wissen wir alle.

Hörhan setzt mit „Gegengift“ seine Strategie der Beschimpfung und Verhöhnung von Oben herab – seine „Autorität“ aus seinem wirtschaftlichen Erfolg ableitend – in völliger Konformität mit dem aktuellen Weltgeist des permanenten Krisen-Deja Vus fort. Diesmal drischt er verbal – erneut nicht gänzlich unamüsant – auf „die Jugend“ ein, sein Zynismus und sein unerträglicher Gestus der Überlegenheit ist aber schnell durchschaut. Hörhan ist letztendlich und lediglich ein bauernschlauer Opportunist, der sein Geschick, ein unmenschliches und unerträgliches System zu seinen Gunsten zu manipulieren zum Maß aller Dinge macht. The Gap bezahlt nicht genug Zeilenhonorar, um diesen zynischen Dreck ganz zu lesen und Satz für Satz zu zerlegen. Hörhans Unternehmer-Skrupellosigkeit ist nicht Erstrebenswertes, seine laut getrommelte geistige nonkonformistische „Courage“ gleicht letztlich jener der BZÖ und FPÖ, die Rückschrittlichstes als revolutionär verkaufen. Seinen „Erkenntnissen“ wohnt keinerlei „Mehrwert“ für Menschen mit auch nur dem kleinsten Rest von sozialem Gewissen inne. Vielleicht ist „Gegengift“ wenigstens dazu gut, eine Wut zu erzeugen, die sich Mittel schafft, Zynikern wie Hörhan die Basis ihres „Erfolgs“ zu entziehen – die Ausbeutungsmaschine, in der wir alle leben müssen. Wer für dieses Buch und Hörhan Geld ausgibt, tötet auch kleine Kinder.

Wir merken Sie dann schon einmal für die landwirtschaftliche Kolchose Wacken vor, lieber Gerald Hörhan, zum Unkraut jäten!

„There will be no victory, no progress made, if we don´t stand apart from the enemy“. (Ian McKaye)

„Authority is supposedly grounded in wisedom, but I could see from a very early age that authority was only a system of control and it didn´t have any inherent wisedom.“ (Joe Strummer)

Rainer Krispel ist "Booker, Schreiber, Analysator, politisch Aktiver oder Musiker" und seit den späten 70ern aktiver und streitbarer Szene-Mitgestalter. Ein ausführliches Portrait gibt es hier, eine unvollständige Auflistung seiner Leistungen hier.

Die Buchpräsentation von "Gegengift" von Gerald Hörhan findet am Donnerstag, den 13. Oktober um 19 Uhr im "Lutz – Der Club", Mariahilferstraße 3, 1060 Wien statt. Das Buch erscheint bei Edition A.

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