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330 967 629 Clicks hat ein Video von Miley Cyrus mit Träne, aber ohne Twerking. Eine Spekulation über den ersten Bubblegumpornopopstar der Geschichte und ihre Konkurrentinnen.

Alle lieben Miley, alle hassen Miley. Wird sie wieder einem Teddybären an die Wäsche gehen? Wird sie Testimonial für eine Fetisch-Modelinie von Hello Kitty? Oder wird sie, um den »Kaiser« Robert Palfrader zu zitieren, auf der Bühne oder im Familienfernsehen schon auch wieder ein bissl brav sein und ihrem aus unbeschwerten Disney-Tagen ins Pornoland hinübergerettete Hobby, dem Kamerazeigen der herausgestreckten Zunge, frönen?

Die Frau mit dem Namen, der so klingt wie ein unbekannter Planet, ist nach dem nicht einmal ansatzweise als Charakterwandel getarnten Imagewechsel zur Thronfolgerin von Lady Gaga, Britney Spears und Madonna zugleich aufgestiegen und nimmt dabei auch gern noch ein wenig zusammengeklaute Sektlaune aus solide sexistischen HipHop- und R’n’B-Videos mit. Laut erwartbar größenwahnsinniger Selbstauskunft hält sie sich, weil sie das alles ja freiwillig und selbstkontrolliert macht und damit nicht wenig Geld verdient, für »eine der größten Feministinnen unserer Zeit«. Ihre sie gluckenhaft abkanzelnde Popziehmutter Sinead O’Connor nennt das Prostitution. Eine Feministin diesen Zuschnitts hat auf jeden Fall viel zu tun, um ihrer Ruf zu wahren. Überall lauert Konkurrenz. Millionärinnen machen ebenso selbstbestimmt wie sie, was sie wollen, solange sie ihren Körper dabei kapitalträchtig in Schuss halten und präsentieren.

Subversion durch Affirmation

»Work Bitch«, empfiehlt eine, die es wissen muss. Schließlich hat sie eine lange Phase des Verdienstausfalls hinter sich, verschuldet durch mangelnde Arbeit an sich selbst und der eigenen Sexyness. Britney Spears macht derzeit eine auf wieder erstarkte Frauendomina. Willkommen zurück! Denn wer »Martinis nippen, heiß im Bikini aussehen, Freunde, einen Lamborghini und eine fette Villa haben will«, der muss arbeiten – und schon knallt Britney im Video dazu die Peitsche auf eine von ihren auf allen Vieren kriechenden Celebrity-Aspirantinnen in der obligaten SM-Uniform. Alle Ladys kuschen. Immerhin kriegt die Chefin jetzt eine eigene Show in Las Vegas. Kollegin Lilly Allen hält nicht so viel vom Fun des Stahlbads und empfiehlt als Königsweg zur Partyqueen nicht Arschwackeln, sondern den ersten oder zweiten oder zumindest irgendeinen Bildungsweg:»I won’t be bragging ’bout my cars or talking ’bout my chains. Don’t need to shake my ass for you ’cause I’ve got a brain.« Der Hinweis ergeht (ungeachtet der von Allen behaupteten, postrassistischen Solidarität) an jene Frauen, die sich angeblich oder tatsächlich von den protzigen »Ich hab es geschafft«-Insignien der afroamerikanischen HipHop-Kultur blenden lassen. Zugleich aber wird diese Botschaft mit einem als ironisch untergejubelten Getwerke verkauft. Der Trick mit dem Augenzwinkern und den offensichtlichen pornokapitalistischen Zitaten wie dem sprudelnden Champagnerflaschenphallus versucht sich an der Quadratur des Kreises, die man im Popzirkus seit den 80er Jahren Subversion durch Affirmation nennt. Mehrheitlich farbige Frauen posieren in bewährter Bitch-Manier mit fast nackten Hintern im Video rund um das sich nicht im gleichen Maß entblößende Zentrum Allen (wobei natürlich auch sie, gemessen an Maßstäben von vor 20 Jahren, ein halbnackter Körper ist). Sie performen für und vor und unter Allen das, was sie angeblich mit ihrem Appell an die Kraft des »Brain« überwinden will: die Degradierung der Frau zum Lustobjekt.

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