Auf Mile Me Deafs »Alien Age« wird dem Sample gehuldigt

Wolfgang Möstl samplet sich auf dem neuesten Mile-Me-Deaf-Album »Alien Age« in Rage. Der neue Sound: Ambient-Dream-Pop statt Indie-Rock.

© Tanja Möstl
Mile Me Deaf »Alien Age« © Siluh Records

Wer »Alien Age« in den Händen hält, hört es sich nicht gleich an. Erst mal lange und dumm auf das Cover schielen. Das wilde Muster ist nämlich ein Stereogramm – eines dieser Bilder, auf denen sich mit der richtigen Sehtechnik eine zweite Ebene offenbart. Stark hofft man auf einen Wolfgang Möstl in 3D. Wer ihn entdeckt, darf sich bitte bei der Redaktion melden. Melden darf sich auch, wer auf Mile Me Deafs neuem Album einen Song findet, der auf einen der Vorgänger gepasst hätte. Alles neu macht der Möstl, und zwar wegen seines gebrochenen Fingers. Gitarrenschrammeln war also nicht drin und so musste er sich quasi auf einem alten Akai-Sampler austoben: Russisch-Sprachkurs, Märchen auf Schwizerdütsch, Traktorengeräusche – ein gesampleter Blumenstrauß positiver Randomness.

Wolfgang Möstl © Christian Benesch

»Alien Age« ist in seiner kleinteiligen Großartigkeit nur als Ganzes zu erfassen. Obwohl »Blowout« (die Sommersingle 2016) und der Titelsong auch für sich Hits sind – es geht um das Album als Spielplatz einer musikalischen Dystopie. Die wird vom Aggro-Dream-Pop-Anfang »Invent Anything« über den kawaii Flaming-Lips-Sound in »Alien Age« bis zum bittersüßen »Martian Blood« erzählt. Danach ist man tief berührt und weiß nicht genau, wieso.

Zeit für unsere Ausrottung

Angefangen bei Problemen des Individuums (»Blowout«) steigert sich in den Lyrics die Resignation über die Menschheit bis zu ihrer Ausrottung. Bei »Shibuya+« schaut Sex-Jams-Kollegin Katarina Trenk am Mikrofon vorbei. Bei »Headnote #2« blitzt zwischen dem famosen Lead-Sample etwas alte Grungigkeit durch. Ob mit oder ohne Gitarre: Möstls Gesang und Hirn ist zum Glück immer noch herrlich dreamy. Auch der US-Sender NBC hat ihn für sich entdeckt und »Where Else« in seine Serie »This Is Us« gepackt. »What happens to the human age when everyone is bored of it?« – die neue Mile Me Deaf muss man sich wohl oft anhören, bis man Langeweile verspürt.

»Alien Age«, das elfte Album von Mile Me Deaf, erscheint am 3. Februar 2017 bei Siluh Records. Konzerte gibt’s aus diesem Anlass natürlich auch: 2. März, Graz, Postgarage — 3. März, Wien, Sargfabrik — 5. Mai, Feldkirch, Graf Hugo.

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