Gurr im Interview: „Tauben kannst du nicht vertrauen“

Gurr mögen keine Tauben, Olli Schulz hört sich dafür ihre Konzerte nicht an. Diese und weitere Wahrheiten erfahrt ihr in unserem Gespräch mit der Berliner Band.

© Duchess Box Records
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Die Bandgeschichte liest sich wie eine Roadnovel: Zwei Musikerinnen lernen sich 2012 während des Studiums in Berlin kennen, schwärmen von den gleichen Bands und Büchern, verreisen nach England und beschließen dort eine Band zu gründen. Dann gehen sie für ein Jahr zusammen nach Amerika, nehmen den Sound des Landes in sich auf, kehren zurück nach Berlin und und schreiben ihren eigenen Soundtrack.

Gurr ist eine herrliche Mischung aus Rotz-Attitüde und Popsong. Ihre erste EP „Furry Dream“ veröffentlichten Andreya und Laura Lee 2015, die Songs darauf sind roh, wild und erinnern stark an die 60er-Jahre. Auf ihrem Debütalbum „In My Head“, das im Oktober 2016 erschienen ist, präsentieren Gurr ausgereifte Melodien gepaart mit dem Charme von Garage Rock. Mit dieser Mischung wurden sie auch prompt auf mehrere Newcomer-Festivals eingeladen – SXSW, Iceland Airwaves und Eurosonic zum Beispiel.

Und der Name? Er basiert auf einer Abneigung gegenüber Tauben.

Woher kommt euer Hass auf Tauben?

Laura Lee: Wenn man sich Tauben ganz genau anschaut, kann man gar nicht anders als eine Antipathie gegen diese Tiere zu entwickeln. Die Füße sind einfach nur ekelig. Die Tiere sind unberechenbar und meine Angst ist es, dass mich so ein Vieh irgendwann anfliegt. Tauben kannst du nicht vertrauen und sie sind ekelig.

Gut. Hätten wir das geklärt. Zur Sache: Welche Musik hat euch denn nun zusammen gebracht?

Laura Lee: Ganz am Anfang waren wir bei einem Konzert von Jeff The Brotherhood, das hat uns angetrieben, eine Band zu gründen. Die schaffen es als Duo einen krassen Sound auf die Bühne zu bringen – das hat uns sehr beeindruckt. Dann waren wir bei vielen Garage-Rock-Konzerten von Bands aus San Francisco, die teilweise ohne Labels arbeiten und trotzdem auf Tour gehen und Alben veröffentlichen.

Andreya: Wir haben schon einen unterschiedlichen Musikgeschmack. Es hat uns geholfen, dass wir nicht hundertprozentig dasselbe hören, aber dieselbe Sparte: Post-Punk, Rock und Indie.

Laura Lee: Mittlerweile hören wir auch psychedelischere Musik oder Pop. Früher konnten wir uns zum Beispiel auch auf Black Lips einigen.

Andreya: Es hat sich auf jeden Fall verändert. Die englische Band Broncho finden wir gut.

Laura Lee: Amerikanisch.

Andreya: Echt?

Laura Lee: Du meinst Spring King.

Andreya: Ne, ne.

GURR © Duchess Box Records

Ihr selbst sagt, eurer Sound kommt aus der tiefen Dunkelheit eines Klos in einer Berliner Rock-’n’-Roll-Bar. Ehrlich gesagt klingt ihr so gar nicht nach „typisch Berlin“. 

Andreya: Die Berliner Bars klingen auch nicht nach Berlin. Der Satz stammt aus der Zeit, als wir aus den Staaten zurückgekommen sind, da waren wir abends viel unterwegs und haben viele Leute aus der Musikszene in Berlin kennengelernt. Ich weiß gar nicht, was typisch Berlin ist. Matthias Schweighöfer vielleicht? Die Leute, die wir kennengelernt haben, waren auf jeden Fall nicht so.

Laura Lee: Rock-’n’-Roll-Bars klingen überall gleich.

Daher auch euer Hang zum Unperfekten?

Laura Lee: Das Unperfekte macht wahrscheinlich den Charme vom Album aus. Es hat seine Temposchwankungen und Fehler, weil wir es live und analog eingespielt haben. Wir sind beide keine Technikfreaks, die monatelang an den Songs arbeiten und Spur über Spur legen. An Künstlern wie Ty Segall, sieht man, dass die Songs total geil sein können, selbst wenn sie nicht perfekt produziert sind. Uns ist es wichtig, dass eine Energie und Stimmung rüberkommt.

Und die Stimmung kann dann auch mal, wie in „Moby Dick“, nach Sommer klingen?

Laura Lee: Wir haben keine Saison für die Songs. Das nehmen Leute von außen mehr wahr als wir selber. Unser Label hat gesagt, „Moby Dick“ ist ein Sommersong, und wir waren beide davon überrascht. Vom Text her ist der Song total düster.

Habt ihr damit gerechnet, dass euer Album durchwegs positiv aufgenommen wird? 

Andreya: Als wir es veröffentlicht haben, wollten wir schon, dass es für uns schneller vorangeht und dass wir ein Netzwerk bekommen, in dem wir angenehmer arbeiten können. Das es in den Top-Listen gelandet ist, war für uns aber doch eine Überraschung.

Ihr habt unter anderem schon Support-Shows für Bleached und Jimmy Eat World gespielt. Wie sehr hat euch das geholfen?

Andreya: Das war wichtig, uns war aber immer klar, dass wir eine eigene Tour spielen wollen. Diese Support-Shows haben geholfen Leute zu erreichen, die wir sonst nicht erreicht hätten. Früher haben wir unsere Shows selber gebucht und da erreichst du meist nur Freunde von Freunden und Freunde von den lokalen Promotern, aber nicht Leute, die zu Jimmy Eat World gehen.

Und wie kamt ihr bei den Fans von Jimmy Eat World an?

Laura Lee & Andreya (unisono): Gut.

Laura Lee: Bis auf Elton von „TV Total“. Der hat sich unser Konzert nicht ganz angehört.

Andreya: Und Olli Schulz auch nicht. Der war auf dem Raucherbalkon.

 

„In My Head“, das Debütalbum von Gurr, ist am 14. Oktober 2016 bei Duchess Box Records erschienen. Auf der kommenden Tour sind vier Termine in Österreich geplant. Nicht verpassen! 22. Februar 2017, Graz, Postgarage — 23. Februar, Wien, Rhiz — 24. Februar, Salzburg, Rockhouse — 25. Februar, Linz, Kapu.

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