John Legend, wir haben leider kein Foto für dich

Gestern war John Legend in der Wiener Stadthalle. Und es tut uns sehr leid, aber wir haben kein einziges Konzertfoto für euch. Das hat vor allem mit Respekt zu tun.

Gerne hätten wir euch Bilder vom gestrigen John Legend Konzert in der Stadthalle gezeigt: Mr. Legend im blauen Anzug, Streichinstrumente, Musiker, die ihre Noten vom iPad ablesen, Damen mit romantisch verklärtem Blick und ihre domestizierten Männer in Hemd und Pullunder – ein denkwürdiges Bild, das leider nicht festgehalten werden konnte. Zumindest nicht von uns. Denn unser Fotograf wollte sich vom Künstlermanagement keinen Knebelvertrag aufdrücken zu lassen, in denen er das Recht an seinen eigenen Fotos abtreten soll. Kohle gibt es dafür selbstverständlich nicht. Das ist so als dürftest du vor unserem Büro kehren, weil wir ja so cool sind, aber hinterher davor rumstehen, so dicke sind wir dann auch nicht.

Unlimited rights, non commercial use, Fotos bitte nur während der ersten drei Songs, dann müssen alle Fotografen raus. Ohne dem zuzustimmen, gibt es keine Akkreditierung. Für die Fotografen bedeuten solche Regelungen meistens, dass sie alle Rechte ihrer eigenen Bilder an das Management abtreten. Das ist schon ziemlich dreist. Und unser Mann wollte da zu Recht nicht mitspielen.

What Would John Legend Do?

Matthias Hombauer hätte gestern gerne diesen musikalischen Blümchensex in Bildern festgehalten, sieht das aber so: "Grundsätzlich ist es so, dass Verträge im Umlauf sind, welche die Bildrechte des Fotografen verlangen. Das heißt, dass die Band die entstandenen Fotos für kommerzielle Zwecke nutzen darf z.B. Albumcovers, T-Shirts Audfrucke, Tourposter usw. ohne den Fotografen zu bezahlen. Aus Sicht eines Berufsfotografen ist das nicht annehmbar und daher empfehle ich auch jedem freien Musikfotografen diese Verträge nicht zu unterschreiben. Meist ist auch eine Nutzung für das eigene Portfolio nicht möglich."

What Would Norwegen Do?

Schließlich würde John Legend auch nicht ohne Gegenleistung und Absicherung seiner Rechte Songs schreiben und performen. Und eigentlich sollten Managementagenturen und Plattenfirmen das auch verstehen, sie schlagen sich selber ja auch tagtäglich mit Nutzungsrechten herum. "In Norwegen ist es bereits so, dass sich Medienvertreter zusammengeschlossen haben und es beim Vorliegen solcher Verträge keine Fotos vom jeweiligen Konzert gibt", erklärt Matthias. "Das führt dazu, dass einige Bands einlenken und diese Verträge ihre Gültigkeit verlieren. Andernfalls gibt es nur eine Zeichnung anstelle des Konzertfotos in der Nachberichterstattung." Wie ihr sehen könnt, haben wir das nun auch so gelöst.

Falls nicht, malen wir euch das Konzert abschließend mit Worten: John Legend ist ein Perfektionist. Technisch hervorragend, keine Frage. Aber jeder Blick ins Publikum, jeder Atemzug, jeder Sager scheint durchchoreographiert. Es bleibt sehr wenig Raum für Spontanität – der Mann schwitzt trotz der gefühlten 100 Grad im Saal nicht einmal. Wer zu sehr auf technische Perfektion bedacht ist, vergisst leider oft, dass Perfektion auf das Publikum schnell langweilig wirkt. Als Vorspiel ist ein John Legend Konzert jedenfalls perfekt. Vermutlich ähnlich gut, wie das Southpark in dieser Folge über Musicals geschildert hat. Fotobeweise gibt es so oder so keine.

Autorin Sinah Edhofer ist zwar eine romantische Seele, findet aber Spritzwein und Rock’n’Roll romantischer als Cello und Sitzkonzerte. Eine Karriere als professionelle Schnulzenkonzertzeichnerin ist dennoch nicht auszuschließen.

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