Vorm Berghain mit Hund

Er ist der, der irgendwo mitten in der Toskana ein Blow-Job-Foto mit Helmut Berger schießt, MTV zum "Miststück" macht und Stormtrooper mit Busen kombiniert: Daniel Josefsohn. Kommende Woche erscheint "OK DJ", ein Fotoband mit einem Best Of der Josefsohn’schen Kantigkeit.

Mit Schmeicheleien und prätentiösem Geschwafel braucht man dem Berliner nicht kommen, er ist straight – sowohl im Umgang, als auch in seinen Arbeiten. Der Fotograf, Ex-Skater und Ex-Junkie sucht das Rohe und spricht so eine Generation an, die schon längst die Schnauze voll hat von vermeintlicher Perfektion und Verhübschung. In einer Fotokultur, die von Weichzeichner, Duckfaces und Filterwahn dominiert wird, sind seine Arbeiten das Schleifpapier auf der Oberfläche unsrer Gorillaglas-Smartphone-Welt.

"Du musst dir einen eigenen Namen machen, deinen eigenen Stil finden", sagt er im The Gap-Interview: "Je eher du den findest, desto besser! Du musst permanent an dem arbeiten, was du tust und was dich unterscheidet." Selbstgefällig ist Josefsohn deshalb trotzdem nicht: "Ich respektiere andere Meinungen. Aber wenn ich der Meinung bin, dass ein Foto gut ist, dann stehe ich auch dazu." Sein Erfolgsrezept? Nur so viel auf ein Foto packen, wie draufpasst. "Ein Foto muss ehrlich sein, nicht gestellt. Auf das Wesentliche reduziert."

Willkommen Zuhause, Miststück.

Aber wie entsteht nun so ein "klassischer Josefsohn"? "Ich glaube schon, dass ich eine recht gute Intuition habe, was Menschen betrifft." Also quasi Draufhalten bis die Maske fällt. Er provoziert mit seiner Offenheit, aber auch mit Charme und Ironie. Josefsohn ist einer der wenigen Künstler, die mit ihrer Arbeit nicht irgendeinem Ideal entsprechen wollen, der das Unangenehme, Ungewohnte nicht scheut und dadurch kulturelle, religiöse und ästhetische Strukturen aufbricht. Das hat in den 90ern schon den ein oder anderen in seiner spießbürgerlichen Weltsicht irritiert.

Der Exzess ist das Dynamit in seinen Arbeiten und war es lange Zeit auch in seinem Leben. Im November 2012 hat sich dann allerdings für den Fotografen gesundheitlich einiges verändert. Aus einem Schlaganfall wurde kurzerhand und zum Trotz eine Fotokolumne seines Vorher-Nachher-Lebens für das Zeit-Magazin.

Josefsohn war schon immer mehr "Bauzaun" als "Galerie", sagt er. Den Skater trägt er noch immer in sich, war schließlich auch die schönste Zeit seines Lebens. Die ein oder andere Frage über seine wilde Vergangenheit konnten wir uns also nicht verkneifen. Daniel, ist es wichtig, sich auszuleben? "Ja. Wegen der Lebenserfahrung. Die ist unbezahlbar!" Und für alles andere gibt es schließlich Mastercard.

"OK DJ" von Daniel Josefsohn ist ab 1. November erhältlich und auch für mittellose Skater erschwinglich. Erscheint im Hatje Cantz Verlag. EUR 29,80.

Bild(er) © Daniel Josefsohn
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