Eine Welt nach der Dystopie, ausproduziert – Mile Me Deafs neues Album »Ecco«

Wie geht es mit einer Welt weiter, die man selbst zerstört hat? Diese tatsächlich sehr realitätsnahe Frage hat sich Wolfgang Möstl für sein musikalisches Outlet Mile Me Deaf auch auf künstlerischer Ebene gestellt.

© Beate Ponsold

2017 habe ich in der The-Gap-Rezension zu »Alien Age« geschrieben, dass sich in den Lyrics die »Resignation über die Menschheit bis zu ihrer Ausrottung« steigere. Wolfgang Möstl hat mit seinem damaligen Album das Ende einer Mile-Me-Deaf-Zivilisation beschlossen. Dazwischen warf er eine Archivsammlung mit dem Besten aus seinen Back-ups auf den Markt, doch die »Alien Age«-Dystopie war bis heute das logische Ende einer linearen Erzählung.

So sieht das auch der Maestro selbst: »Es ist schwierig, Songs über eine Welt zu schreiben, die du praktisch zerstört hast.« Aber natürlich ist so eine Wiedergeburt auch die ultimative Chance, seine eigene musikalische Identität zu zerdenken. Vor dem ersten Hören kann die neue von Mile Me Deaf also alles sein.

Tatsächlich sind die acht Songs auf »Ecco« immer noch eindeutig dem Ursprungsprojekt zuzuordnen – wohl auch, weil im nationalen Musikmarkt wenige diese weirde Spielart von »Indie liebt Pop« ihr Eigen nennen. Doch schon mit der perfekten Symbiose, die die ersten drei Songs im nahtlosen Übergang miteinander bilden, sind wir alle Gläubige der Religion namens: Wolfgang Möstl, der Produzent. In den Jahren zwischen den Alben war Möstl ständig für andere Artists, zum Beispiel Dives und Voodoo Jürgens, im Studio. Und auch wenn seine Songs immer schon ein ganz eigenes Finish hatten, merkt man »Ecco« die zusätzlichen Jahre als Indie-Timbaland Österreichs durchaus an. »

© Beate Ponsold

To The Outside World« ist derart geschliffener Bop, dass man ihn in seiner austarierten Feinheit zwangsweise lauter drehen muss. Kopfhörer sind im Übrigen bei der ganzen LP empfohlen, um Details wie Panflöten-Sounds auch in ihrer Komplexität erkennen zu können. Wer das Album als Ganzes durchhört, wird keinen einzigen Übergang zwischen diesen acht im besten Sinne repetitiven Songs verspüren. »Ecco« ist aber vor allem als Narrativ die perfekte Lösung für das »Danach« eines Weltuntergangs. Es ist die paradiesische Utopie, die daraus folgen kann.

»Ecco« von Mile Me Deaf erscheint am 10. Juni auf Siluh Records. Wolfgang Möstl hat mit Æther Kombo kürzlich auch ein weiteres Musikprojekt gestartet.


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